Arbeitsbereich Gender & Diversity Studies

Stellungnahme gegen die Streichung der Gender Studies in Ungarn


Am 12. Oktober 2018 hat die ungarische Regierung das Studienfach Gender Studies (MA) aus der Liste der zulässigen Studiengänge des Landes gestrichen. Die Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft (DGS) für Soziologie nimmt diese massive Verletzung der Freiheit von Kunst und Wissenschaft (Artikel 13 der EU-Grundrechtcharta) sowie dem Recht auf Bildung (Artikel 14 der EU-Grundrechtecharta) mit Entsetzen zur Kenntnis und hat eine Stellungnahme gegen die Streichung der Gender Studies verfasst:


 

Kartenspiel Wegbereiter_innen der Gender und Queer Studies erschienen!

 

Prof. Dr. Uta Klein und Eddi Steinfeldt-Mehrtens geben das erste und bisher einzige Kartenspiel zu Gender und Queer Studies heraus. Im Rahmen eines Projektes zusammen mit Studierenden verschiedener Fächer erarbeitet, werden auf 39 Wissenskarten Schlagwörter, zentrale Werke und Autor_innen, die das Selbstverständnis der Ge­schlechter- und Queerforschung maßgeblich begründet und beeinflusst haben, zusammen­getragen. Alle Bücher sind in einem Begleit­heft aufbereitet und kontextualisiert, so dass es wie ein Lexikon genutzt werden kann.

Wissenskarten und Begleitbuch sind konzipiert und nutzbar für Lehrveranstaltungen, aber auch für die eigenständige Vertiefung von Wissen von Studierenden und deren Selbststudi­um.

Buchcover KartenspielVerlag Barbara Budrich 2018.
170 Seiten. Kart.
19,90 € (D), 20,50 € (A)
ISBN 978-3-8474-2200-6

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Der Arbeitsbereich Gender & Diversity Studies, von 2005 bis 2014 Gender Research Group, ist aus dem 1992 gegründeten Zentrum für interdisziplinäre Frauenforschung (ZiF) hervorgegangen. 2005 wurde die damalige Gender Research Group in das Institut für Sozialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel integriert. Seit 2009 ist die Leitung mit einer Professur (Prof. Dr. Uta Klein) für Gender und Diversity Studies besetzt.

Gender – Diversity

Die Geschlechterforschung (Gender Studies) befasst sich mit den Geschlechterverhältnissen in der Gesellschaft, mit der Bedeutung von Geschlecht in Gesellschaft und Wissenschaft sowie mit der Konstruktion des Geschlechts. Die Kategorie Geschlecht bildet den Ausgangspunkt für Analysen, die sich in den Sozialwissenschaften auf Interaktionen, auf Institutionen und Organisationen oder aber auf soziale Strukturen beziehen.

Diversity Studies sind ein neues, nicht klar umrissenes Forschungsfeld, das durch die zunehmende (oder aber zunehmend wahrgenommene) Vielfalt in der Gesellschaft in Folge von unter anderem Migrationsbewegungen, veränderten Geschlechterbeziehungen und der Pluralisierung von Familienformen motiviert wurde.

In der Praxis wird Diversity häufig im Kontext von Managementstrategien im privatwirtschaftlichen und als Diversity Mainstreaming im öffentlichen Bereich verwendet. Eine Gemeinsamkeit der sehr unterschiedlichen Konzeptionen von Diversität ist die normative Orientierung: Vielfalt wird  – aus unterschiedlichen Motiven – als Ressource, als Potenzial und eine Abkehr von einem Homogenitätsideal (in Organisationen, in Teams) als wünschenswert betrachtet.

Sozialwissenschaftliche Diversitätsforschung befasst sich mit Minderheiten- und Mehrheitenrelationen sowie mit der Entstehung und Ausprägung von sozialen Ungleichheitsverhältnissen. Diversität bezieht sich hier auf die Vielfalt (übernommener und zugeschriebener) Identitäten, die als Unterschiedlichkeit in verschiedenen Kontexten wahrgenommen werden können und häufig mit Bewertungen verbunden sind. Hier ist ein Anschluss zum Forschungsfeld der Intersektionalität gegeben. Auch liegt hier eine Nähe zur Bedeutung im Recht, das in der Europäischen Union und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz einen  Diskriminierungsschutz über Geschlecht hinaus auf sexuelle Orientierung, Alter, Behinderung, Religion/Weltanschauung sowie Ethnizität festschreibt.

Wie auch in der Geschlechterforschung betont eine der Forschungsperspektiven die Konstruktion, die aktive Herstellung von Ethnizität, Behinderung und anderen Dimensionen. Geschlecht, Ethnizität, Behinderung usw. werden dann nicht als ‚individuelle Merkmale' sondern als soziale Kategorien verstanden und somit als Ergebnis sozialer Klassifikationsprozesse, die zu Diskriminierungen in Form von Benachteiligungen und Privilegierungen führen. [Ausführlicher zum Begriff Diversity.]

Forschen, lehren, publizieren

Der Arbeitsbereich Gender & Diversity Studies erforscht, platziert und publiziert neue Themen in der Gender- und Diversityforschung. Lehrveranstaltungen zu Gender- und Diversity-Themen finden in verschiedenen Studiengängen auf Bachelor und Masterniveau statt sowie ein Master- und ein Promotionskolloquium. Ebenso werden öffentliche Veranstaltungen organisiert, die sowohl zur hochschulinternen als auch zur breiteren gesellschaftlichen  Sensibilisierung für und Implementierung von Diversity Politics beitragen sollen.