Forschungsprojekte bis 2009

Neue Führungsstile und das Glass Ceiling Phänomen - Ein Vergleich zwischen Organisationssystemen in Wirtschaft und Wissenschaft

Projektleitung:

Dr. Ursula Pasero, Prof. Dr. Birger Priddat

Bearbeitung:

Lutz Ohlendieck M.A.

Laufzeit:

Oktober 2001 bis August 2003

Gefördert vom

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Das Forschungsvorhaben ist interdisziplinär und interinstitutionell angelegt (Kooperation zwischen den Universitäten Kiel und Witten-Herdecke). Untersucht wird das Glass Ceiling Phänomen, jene unsichtbare und zugleich festgefügte Barriere, die Frauen den Zugang zu Führungspositionen versperrt. Das qualitativ Neue des Forschungsvorhabens besteht darin, die Organisationssysteme der Wirtschaft denen der Wissenschaft gegenüber zu stellen und zu vergleichen. Es werden erstmalig Zusammenhänge zwischen Organisationsstrukturen und den Formen des Gendering herausgearbeitet. Die Ergebnisse sind auch von praktischer Relevanz, zumal sich im Zusammenhang mit der Dienstrechtsreform für Hochschulen die Frage stellt, ob sich Karrieremöglichkeiten für Frauen nachhaltig verbessern.

Es werden die Erklärungsmuster zum Glass Ceiling Phänomen zusammengestellt und analysiert, um Anschluss an den gegenwärtigen Stand der internationalen Forschung zu gewinnen. Zudem wird im Wissenschaftsbereich geprüft, ob im europäischen Vergleich die unterschiedlichen Anteile von Frauen an Führungspositionen von organisatorischen Zugangsregulierungen abhängen. Im Bereich der Wirtschaft wird untersucht, wie sich der Gender-Mix, Leitbilder und Karrieremuster verändern. Netzwerkansätze werden ebenso geprüft, wie die Vor- und Nachteile exklusiven Frauenrecruitments.

Publikationen:

Pasero, U./Priddat, B. P. (Hg.) (2004): Organisationen & Netzwerke: Der Fall Gender. Wiesbaden: VS - Verlag für Sozialwissenschaften.

Pasero, U./Weinbach, C. (Hg.) (2003): Frauen, Männer, Gender Trouble. Systemtheoretische Essays. Frankfurt, M.: Suhrkamp.

 

Stereotypgestützte Sprachrezeption

Projektleitung:

PD Dr. Friederike Braun, PD Dr. Thomas Eckes

Projektdurchführung:

Dr. Anja Gottburgsen, Dr. Susanne Oelkers

Laufzeit:

September 1998 bis September 2000

Gefördert von

der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Das Projekt liegt an der Schnittstelle von sozialpsychologischer Stereotypenforschung und linguistischer Genderforschung. Es untersucht, ob sprachliche Äußerungen einer Person stereotypgestützt verarbeitet werden, so dass Äußerungen von Frauen und Männern unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden - möglicherweise sogar dann, wenn im tatsächlichen Verhalten überhaupt kein Unterschied besteht.

Die Hypothese der stereotypgestützten Sprachrezeption wurde mit Hilfe eines Bewerbungsgesprächs überprüft. Da in der alltäglichen Kommunikation neben dem Geschlecht zugleich andere Merkmale von Personen kommuniziert werden (wie z.B. Alter oder regionale Herkunft), wurde das Testgespräch den Versuchspersonen in schriftlicher Form vorgelegt. Die Verwendung von schriftlichem Material ermöglichte es, den Einfluss des Sprechergeschlechts (gegenüber anderen Sprechermerkmalen) zu isolieren.

Das Versuchsdesign folgte der matched guise-Technik, wobei dasselbe sprachliche Produkt einmal einer Frau und einmal einem Mann zugeschrieben wird. Die vermeintlich weiblichen und die vermeintlich männlichen Äußerungen werden von unterschiedlichen Gruppen von Versuchspersonen bewertet. Der anschließende Vergleich der Bewertungen ergibt, welche Bewertungsunterschiede unmittelbar auf das zugeschriebene Sprechergeschlecht zurückzuführen sind.

Die vorliegenden Projektergebnisse lassen keine eindeutige Beantwortung der Ausgangsfrage zu. So zeigten sich zwar Einflüsse der sprachbezogenen Geschlechtsstereotype, da in den Text Geschlechterdifferenzen hineinprojiziert wurden. Dieser Effekt war jedoch durch verschiedene andere Faktoren modifiziert (Geschlecht und Herkunft der Versuchspersonen), so dass sich kein einheitliches Muster ergab. Die Hypothese der stereotypgestützten Sprachrezeption bedarf demnach weiterer empirischer Prüfung.