Promotionsprojekt

Rassistische Diskriminierung von Studierenden in der Hochschule. Eine intersektionale Analyse (Arbeitstitel)

Die sozialwissenschaftliche Thematisierung von Migration und als „Migrant_innen“ bzw. als „Personen mit Migrationshintergrund“ markierte Menschen ist im deutschsprachigen Raum in den letzten 20 Jahren durch eine stetige Zunahme gekennzeichnet. Das Interesse richtet sich seither insbesondere auf die Untersuchung von Bildungs(miss)erfolgen und Selektionsmechanismen innerhalb des gesamten Bildungssystems. Hier finden sich auch zunehmend rassismuskritische Studien, jedoch steht eine systematische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Rassismus innerhalb des deutschen Bildungssystems noch aus – insbesondere für den Hochschulbereich. In diesem Dissertationsprojekt werden rassistische Diskriminierungen und Ungleichheitsverhältnisse von Studierenden an Universitäten in Deutschland untersucht.

Um der Komplexität gesellschaftlicher Dominanz- und Ungleichheitsverhältnisse gerecht zu werden, ist ein Blick auf die Interdependenzen und Verwobenheiten verschiedener Herrschaftsverhältnisse wie Rassismus, Klassismus oder (Hetero-)Sexismus unabdingbar. Schwarze Feministinnen und Feministinnen of Color entwickelten in den USA bereits in den 1970er Jahren kritische Perspektiven auf sie betreffende Unterdrückungsverhältnisse und forderten race, class und gender als ineinandergreifende Systeme der Unterdrückung zu betrachten. In den folgenden Jahrzehnten entfaltete sich innerhalb der Sozialwissenschaften eine internationale Debatte zur Analyse verschiedener Ungleichheitskategorien und ihrer Verflechtungen unter dem Schlagwort „Intersektionalität“. Hieran schließt die Dissertation an: Sie erweitert den Fokus auf Rassismus durch eine intersektionale Perspektive und untersucht Diskriminierungs- und Ungleichheitsverhältnisse in der Universität in Anlehnung an englisch- und deutschsprachige Ansätze aus dem Bereich der Intersektionalitätsforschung.

Ausgehend von Interviews mit Studierenden an ausgewählten Universitäten in Deutschland werden Erfahrungen mit Alltagsrassismen und anderen Diskriminierungsformen im Hochschulalltag analysiert. Zudem werden statistische Daten einbezogen, die Aufschluss über strukturelle Ungleichheiten geben können, sowie Diskurse um „Zugehörigkeit“ und „Nicht-Zugehörigkeit“ in den Blick genommen. Die Dissertation zielt auf die Analyse der Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Differenzkonstruktionen als auch zwischen den verschiedenen Untersuchungsebenen ab.

Mit dem Forschungsprojekt sollen Geschlechter- und Ungleichheitsforschung und rassismuskritische postkoloniale Migrationsforschung zusammengeführt werden. Ziel ist es, einen Beitrag zur Diskussion über Rassismus und Ungleichheit in der Hochschule zu leisten und damit Anregungen für mögliche Handlungsmaßnahmen zu geben.