Rassismus an Hochschulen. Analyse - Kritik - Intervention (Call for Papers)

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Einreichungsfrist: 15.04.2017

Antirassistische und postkoloniale Ansätze finden bislang kaum Berücksichtigung in Konzepten und Politikansätzen zur Förderung von Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit und Inklusion sowie zum Abbau vielfältiger Benachteiligungen und Barrieren an deutschen Hochschulen. Alltäglichen und strukturellen Rassismen wird somit jedoch nur unzureichend begegnet. Eine Chance, dies zu ändern, eröffnet sich mit der zunehmenden Etablierung von Diversitätspolitiken. Die Voraussetzung hierfür ist, eine explizite Antirassismusperspektive einzunehmen und antirassistische Initiativen und Projekte in Lehre, Forschung und Verwaltung maßgeblich an der Erarbeitung von hochschulischen Konzepten und Maßnahmen zu beteiligen und nachhaltig zu stärken.

Ein besonderes Augenmerk ist hierbei auf die zahlreichen Studierendeninitiativen, Antirassismus AGs, Hochschulgruppen und Referate im Rahmen von Studierendenvertretungen zu legen. Eine bundesweite Sichtbarkeit erlangte beispielsweise die Twitter-Kampagne #campusrassismus, die im Dezember 2015 von Studierenden of Color der Universitäten Mainz und Frankfurt am Main initiiert wurde. Das studentische Engagement findet bisher jedoch kaum eine Entsprechung in den Hochschulpolitiken. Die bislang im Wissenschaftskontext entfalteten diversitätspolitischen Aktivitäten konzentrieren sich vornehmlich auf die Förderung von „Studierenden mit Migrationshintergrund“ oder Internationalisierung. Diversität wird in der Tendenz als Chance für mehr Vielfalt oder zu verwaltende Ressource und weniger als herrschafts- resp. rassismuskritische Intervention formuliert.

Auch in der deutschsprachigen Forschungslandschaft zeigt sich eine deutliche Distanz zu den Themen Rassismus und Antirassismus im Allgemeinen und hinsichtlich des Hochschulbereichs im Speziellen, wenngleich die Postcolonial Studies, die kritische Migrationsforschung und auch die Critical Whiteness Studies in den letzten Jahren einen merklichen Zuwachs erfahren haben. Im Mittelpunkt wissenschaftskritischer Analysen stehen Fragen nach der kolonialen und rassistischen Strukturierung von (akademischen) Wissens(re)produktionen des globalen Nordens, die sich für nahezu alle Disziplinen in gegenwartsbezogener und historischer Perspektive stellen. Die Forschung zu rassistischen Praxen und Strukturen in Lehre, Forschung und Verwaltung scheint noch am Anfang zu stehen.

Vor diesem Hintergrund versteht sich der Sammelband als ein Beitrag zur Intensivierung und Stärkung der Debatten zu rassistischen Diskriminierungen und Strukturen an deutschen Hochschulen sowie zu antirassistischen Interventionsmöglichkeiten.

Wir suchen Beiträge, die an die analytischen Perspektiven der Postcolonial Studies, der kritischen Migrationsforschung, der Critical Whiteness Studies oder der Critical Race Theory sowie an Forschungsinitiativen zum Institutionentyp „Hochschule“ anschließen, zu folgenden Themenkomplexen:

Rassistische Praxen und Strukturen an Hochschulen

  • Rassistische Praxen und/oder Strukturen in Lehr- und Forschungskontexten, bei Verwaltungsvorgängen, an den Schnittstellen zwischen Lehre und/oder Forschung und/oder Verwaltung,
  • Rassistische Praxen und/oder Strukturen in Verknüpfung mit weiteren sozialen Kategorien (besonders Religion, Geschlecht und Behinderung),
  • kritisch-historische Auseinandersetzungen mit der Institution Hochschule als (national)staatliche Einrichtung,
  • Kontextualisierung rassistischer Praxen und Strukturen in politische Zusammenhänge (z.B. Stellenwert von Rassismus und Kolonialismus in der bundesdeutschen Politik),
  • Koloniale resp. rassistische Wissensbestände von Disziplinen.

Antirassistische Praxen und Strukturen an Hochschulen

  • Maßnahmen und Strategien antirassistischer Hochschulpolitiken,
  • Diskussionen zur Anschlussfähigkeit an bestehende Hochschulpolitiken,
  • Diskussionen zur Verknüpfung von postkolonialer Forschung und antirassistischen Politiken/Praxen,
  • Diskussionen zum Einsatz statistischer Kategorien in antirassistischen Hochschulpolitiken,
  • Internationale Bezüge/Vergleiche,
  • Dekolonisierung von akademischen Wissensbeständen (z.B. auch konkrete Beispiele aus Lehre und Forschung).

 

Hinweise für Autor*innen:

Der Sammelband erscheint als fünfter Band in der von Uta Klein und Daniela Heitzmann herausgegebenen Publikationsreihe „Diversity und Hochschule“ beim Beltz Juventa Verlag.

Die Herausgeberinnen sind Dr. Daniela Heitzmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Arbeitsbereichs Gender & Diversity Studies, CAU Kiel, und Kathrin Houda, Referentin für Diversität an der CAU Kiel.

Der Sammelband wird gerahmt durch einen einleitenden Aufsatz, der einen Überblick zum deutsch- und englischsprachigen Forschungsstand gibt, und eine Conclusio, die zentrale Aussagen der veröffentlichten Beiträge zu antirassistischen Maßnahmen und Strategien zusammenfasst. Beides wird von den Herausgeberinnen verfasst.

Es sind sowohl Aufsätze im Umfang von max. 50.000 Zeichen (inkl. Fußnoten und Leerzeichen) als auch Texte wie Essays, Gedichte sowie bildliche Darstellungen willkommen. Die Manuskripte sind bis zum 15.04.2017 per Email an Daniela Heitzmann und Kathrin Houda zu senden. Ergänzend sind ein Abstract (maximal 200 Wörter) sowie Anschrift und folgende Angaben zu den Autor*innen beizufügen: berufliche Tätigkeit, Arbeits- oder Forschungsschwerpunkte, ausgewählte Publikationen.

Hinweise zur Manuskripterstellung

Nach Ablauf der Einreichungsfrist werden die Beiträge durch die Herausgeberinnen begutachtet. Die Autor*innen erhalten über das Ergebnis eine schriftliche Mitteilung und ggf. Vorschläge zur Überarbeitung. Die Veröffentlichung des Sammelbandes ist für den Herbst 2017 geplant.

Haben Sie noch Fragen?

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Herausgeberinnen: Daniela Heitzmann und Kathrin Houda.