Vortrag "Ihr Bauch gehört Mir: Leihmutterschaft und Fetale Entführungen in den Vereinigten Staaten seit dem Gerichtsurteil von 'Baby M'" (15.05.12)

Professorin Dr. Sandra Reineke

Der Vortrag untersucht das Aufkommen von sogenannten „fetalen Entführungen“ ["fetal abduction"], welche zeitgleich mit einem Gerichtsurteil über die Sorgerechte von Leihmüttern, oder der Fall des „Baby M“, im Jahre 1987 in den USA begannen. Das Gerichtsverfahren um „Baby M“ erhielt weltweit eine gesteigerte mediale Aufmerksamkeit. Die Frage, ob  ein Leihmuttervertrag zwischen dem biologischen Vater des Kindes und seiner Frau auf der einen Seite, und der biologischen Mutter und Leihmutter des Kindes auf der anderen Seite, rechtlich bindend ist, machte diese Form der medizinisch assistierten menschlichen Fortpflanzung—Leihmutterschaft mit oder ohne in-vitro Fertilisation—einem breiteren Publikum bekannt.

Wenige Monate nach der Urteilsverkündung ereignete sich der erste von bisher 13 Fällen und drei versuchten Übergriffen einer „fetalen Entführung“ im US Bundesstaat New Mexiko. Hierbei schnitt 1987 die Angreiferin einer schwangeren Frau ihren Fetus aus dem Bauch mit der Absicht das Kind für sich selber zu behalten.

Frau Reinekes Studie dieser gewalttätigen Übergriffe von Frauen auf andere Frauen zeigt jedoch, dass diese verübten und versuchten Morde nicht bloß als die „mönströsen“ Pathologien von weiblichen Schwerverbrecherinnen, wie sie medial stilisiert werden, gelesen werden können. Vielmehr sind diese Handlungen in einem breiten Kontext der westlichen patriarchalen und kommerzialisierten Reproduktionspolitiken zu verstehen.
Referentin
Professorin Dr. Sandra Reineke studierte in Paris, Berlin und Bloomington und ist zur Zeit Associate Professor für Political Science und Women’s Studies im Department of Political Science am College of Letters, Arts and Social Sciences der University of Idaho.

Zeit: Dienstag, 15. Mai 2012, 18 bis 20 Uhr
Ort: CAU Kiel, Leibnizstr. 10, Raum 325

- Eintritt: frei -

Veranstalter_innen

Amerika Gesellschaft Schleswig Holstein e. V. und dem Arbeitsbereich Gender & Diversity Studies

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